Gyde Callesen

Kaleidoskop

 

 

"Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt."

Albert Einstein

VITA IN FARBEN UND RÄUMEN

Worte - Der violette Raum - Brücken und Anker

Worte und der Klang der Worte und die Räume, die zwischen Worten entstehen, faszinierten mich früh.

Als ich vier Jahre alt war, wollte ich immerzu Gedichte hören. Als ich fünf Jahre alt war, brachte ich mir selber das Schreiben und Lesen bei, da ich unmöglich damit warten konnte, bis endlich die Schule anfing. Mit zwölf Jahren wusste ich, dass ich Schriftstellerin werden möchte, dass die Worte zu meinem Weg gehören. Es war auch die Zeit, als ich erfuhr, dass ich mit meinen Worten Menschen tief zu berühren vermag.

Nachdem ich mein Studium der Literaturwissenschaft, Sprachwissenschaft, Philosophie, Biologie und Pädagogik mit dem Magisterabschluss beendet hatte, begann ich als freie Schriftstellerin zu arbeiten. Das war im Jahr 2000. Auf die ersten Lesungen und Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften folgte der steinige Weg der Verlagssuche. Ich begriff schnell, dass man auf dem Literaturmarkt mehr braucht als Talent, dass man vor allem Zähigkeit, Ausdauer und Frustrationstoleranz mitbringen muss. 2001 erschien mein erstes Buch. Seitdem und bisher sind insgesamt zehn Werke von mir veröffentlicht worden.

Seit dem Jahr 2000 gebe ich als Dozentin für Literarisches Schreiben meine Liebe zur Sprache in vielen verschiedenen Gruppen und an unterschiedlichsten Orten weiter. Menschen auf dem Weg des Schreibens zu begleiten, bereitet mir viel Freude.

Der Raum der Literatur ist violett für mich, weil er Brücken baut und weil er das Feuer des Rot mit der Stille des Blaus verschmilzt, weil Schreiben Einsamsein und Begegnen zugleich ist.

Natur - Der grüne Raum - Lebendig-Sein und Zuhause-Sein

Ich bin mitten in der Natur groß geworden. Direkt an der Ostsee geboren verbrachte ich die meiste freie Zeit in den Wäldern von Angeln in Schleswig-Holstein oder an der Ostsee und Nordsee. Vor allem die Kräuterkunde und Botanik sind in meiner Familie seit Generationen tief verwurzelt.

Und so studierte ich, obwohl es mich eigentlich immer mehr zur Sprache zog, auch Biologie. Und es war sicher kein Zufall, dass ich meinen Schwerpunkt in meinem Biologiestudium in den Bereich Botanik legte und bereits im dritten Semester Botanik an der Universität unterrichten durfte. Bis heute beschäftige ich mich viel und gern mit Kräutern, ihrer Geschichte und Mythologie. Nachdem ich mein Studium abgeschlossen hatte und das Angebot einer Promotionsstelle hatte, arbeitete ich erst einmal für mehrere Monate auf einem Bioland-Bauernhof. Ich war so froh, nach den vielen Jahren an der Universität zu dem Wesentlichen zurückzukehren, bei jeder Witterung auf dem Feld zu stehen und Fenchel, Lauch und Rosenkohl zu ernten. Draußen sein, in der Natur und mit der Natur sein, das ist für mich Zuhause-Sein. Viele meiner literarischen Ideen entstehen draußen beim Sein in der Natur.

Klar, dies ist der grüne Raum, so grün wie die ersten Buchenblätter im Frühjahr.

Bewegung - Der rote Raum - Freude und Ausdruck

Der rote Raum und ein roter Faden, der Bewegung heißt.

In meinem Geburtsort Flensburg sagt man, jemand hat Pfeffer im Hintern (auf plattdeutsch), wenn er nicht gut stillsitzen kann. Mir wurde das oft gesagt. Mit vier Jahren begann ich Ballett zu lernen. Und tat dies dann für die nächsten zwanzig Jahre. Mit zehn Jahren lernte ich Spitzentanz, seit ich fünfzehn Jahre alt war auch Steptanz, außerdem Modern Dance und Showtanz. Mit fünfzehn Jahren gehörte ich zu einem Tanzensemble, das regelmäßig abends und an Wochenenden auftrat und verdiente so mein erstes Geld.

Vom Ballett kam ich zur Kampfkunst, die heute zentraler Teil meines Lebens ist. In Berührung mit der Kampfkunst kam ich mit zehn Jahren, als ich einige Judo-Stunden in Flensburg mitmachte, wo ein guter Freund von mir trainierte. Aber Judo war es nicht.

Es dauerte dann fast ein paar Jahrzehnte, bis ich den Weg zur Kampfkunst wiederfand.
2003 begann ich Taijiquan zu lernen. Nach sechs Jahren Taijiquan begann ich außerdem Qigong (Daoyin Yangsheng Gong) zu üben. 2010 erlernte ich darüber hinaus die koreanische Kampfkunst des Taekwondo.

Das Praktizieren der traditionellen Kampfkunst ist für mich viel mehr als ein Sport oder ein Hobby, es ist etwas Existentielles und Notwendiges und Freudiges. Die Kampfkünste haben mir schon so besondere Geschenke gemacht, dass ich mich entschlossen habe, diese selber weiterzugeben.
Seit 2012 bin ich Lehrerin für Taijiquan, seit 2013 Trainerin für Taekwondo.

Dieser Raum ist rot, da er von Freude, Glück und Shen (Geist) durchdrungen ist.

Berührung - Der blaue Raum - Sensibilität und Heilung

Dass Berührung im Sinne von Massage und Körperarbeit auch Teil meines Lebens- und Berufweges wurde, war weder geplant noch abzusehen.

Irgendwann entdeckte ich, wie berührend es ist, Menschen nicht nur mit Worten, sondern auch mit Händen zu berühren. Dass ich mit Händen anders berühren kann als mit Worten, dass der wortlose Dialog andere Schichten bewegt und dass die Verbindung der Berührung mit Worten und mit Händen wunderbar ist.

Ich erfuhr, wie es ist, mit Händen zuzuhören und sich von der Stille inspirieren zu lassen, wie schön es ist, einen Raum ohne Worte zu leben. Nachdem ich bereits zuvor mit verschiedenen Massageformen in Berührung gekommen war, ließ ich mich ab 2007 zur Shiatsu-Praktikerin ausbilden. Hier verknüpfte sich das Üben des Taijiquan mit dem Erlernen des Shiatsu, die beide auf derselben Grundlage, der Traditionellen Chinesischen Medizin, beruhen.

Im Jahr 2009 nach bestandener Prüfung zur Shiatsu-Praktikerin gründete ich meinen LebensRaum: Bewegt von Berührung - Berührt von Bewegung. Seitdem gebe ich dort Shiatsu und Tibetische Massagen. Immer erneut fasziniert mich der große Raum der Traditionellen Chinesischen Medizin und der Körperarbeit.

Nachdem ich einige Jahre als Shiatsu-Praktikerin gearbeitet hatte, beschloss ich meine therapeutische Ausbildung zu vertiefen und mich in atemzentrierter Psychotherapie am Ateminstitut von Randolph und Regina Pleske ausbilden zu lassen.

Blau ist dieser Raum, tiefblau, wie das Meer, ein Bergsee, ein wahrhafter Augen-Blick.

Begegnung - Ein Raum in allen Farben - Lernen, Lehren, Geben und Bekommen

Für immer einsam am Schreibtisch zu sitzen und allein Bücher zu schreiben, dafür war und bin ich nicht geschaffen. Das war mir klar, als ich nach Abschluss meines Studiums im Jahr 2000 mich entschied, als freie Schriftstellerin zu arbeiten.

Daher begann ich zeitgleich als Dozentin zu arbeiten, was ich bis heute mit Leidenschaft tue. Die Begeisterung für jenes weitergeben zu können, das mich selbst begeistert, ist für mich sehr schön. Ich freue mich immer wieder, wenn es mir gelingt, jenen Funken weiterzugeben, den man Begeisterung, Inspiration oder Liebe nennen mag.

Immer neue Felder des Unterrichtens erschließen sich mir, was mich sehr freut. Begegnen ist für mich Lernen und Lernen ist Begegnen.

Daher genieße ich es, immer Neues zu lernen und im Lernen, immer wieder anders und neu zu begegnen und ganzer zu werden. Menschen begegnen, immer neue Menschen kennenlernen, sich selbst an anderen begreifen, in Spiegel zu sehen, berühren und berührt zu werden - all das ist für mich wesentlich.

Ich liebe es zu begegnen.

Begegnung verbindet alle Räume miteinander.

Darum ist dieser Raum bunt. Bunt wie ein Kaleidoskop, ein Regenbogen, eine Blumenwiese im Sommer.

Danke

Weggefährten, Begleiter und Lehrer zu haben auf der hin und wieder sehr rauhen und unwegsamen Piste des Lebens, ist ein großartiges Geschenk. Ich hatte und habe das Glück, immer wieder auf Menschen zu treffen, die mir auf dem Weg wichtige Lehrer und Lehrerinnen waren und sind und denen ich an dieser Stelle von Herzen danken möchte:

Frauke Abegg - die erste, die mir zeigte, was es heißt aufzuhören zu kämpfen
Sven Angersbach - der mir das äußere und innere Wesen der Kampfkunst nahebrachte
Hannelore Theisen - die mir viel aus Tibet erzählte und damit Räume öffnete
Luna Wessels - für Räume der Weiblichkeit
Bernhard Schlage - der mir russische und weiße Inspirationen schenkte
Christian Elze - der es vermag, die Dinge auf den Boden der Tatsachen zu holen

Besonderer Dank geht an die Leiter des Ateminstituts Hannover, die mir neue Wege und alte Wege eröffnet und wiedereröffnet haben:
Regina Pleske - für sanfte Klarheit und geduldige Strenge
Randolph Pleske -  für alle Zumutungen, Herausforderungen, Klarheit und Unterstützung

Gelernt habe ich zudem sehr viel von:

den Weiten des Meeres, der Tiefe der Wälder, der Frische des Windes, Wiesen und Bergen, Bächen und Flüssen, Küsten und Seen, von jeder einzelnen Blüte, von Pflanzen und Tieren und allen Wesen, die in der Natur wohnen.

Manche LehrerInnen sind mir ‘nur’ in Büchern oder anders begegnet.
Danken möchte ich ihnen an dieser Stelle für ihre großartige Inspiration:

Hermann Hesse
John Daido Loori
Nelson Mandela
Albert Schweitzer
Mahatma Gandhi
The 14th Dalai Lama

Mein ganz besonderer Dank geht an die Höchste Matriarchin der Yun Hwa Denomination of World Social Buddhism:

Supreme Matriarch Ji Kwang Dae Poep Sa Nim

Danke sehr.